28.04.2026 00:00 | Landkreis

Mit Gefühl! 7 Wochen ohne Härte

Entdecken Sie die Kraft der Verletzlichkeit in der Fastenzeit und erfahren Sie, wie wir große Gefühle aushalten können.

Fakt: Der Garten Getsemani wird oft als Ort der tiefsten menschlichen Verletzlichkeit dargestellt, wo Jesus um Beistand bat.

Verletzlichkeit im Fokus der Fastenaktion



In der dritten Woche der Fastenaktion "Mit Gefühl! 7 Wochen ohne Härte" der evangelischen Kirchen in Deutschland widmen wir uns dem Thema Verletzlichkeit. Inspiriert von der biblischen Erzählung aus Markus 14,32-38, in der Jesus in den Garten Getsemani geht, um zu beten, stellt sich die Frage, wie wir mit unseren eigenen und den Gefühlen anderer umgehen können. Jesus, der in dieser entscheidenden Stunde tiefe Angst und Schrecken verspürt, ruft seine Jünger zur Wachsamkeit auf. Doch diese schlafen ein und können seine Not nicht ertragen.

Diese Szene bietet einen aufschlussreichen Blick auf menschliche Beziehungen in Krisensituationen. Wenn wir Zeugen von Verletzlichkeit werden, neigen wir oft dazu, uns zurückzuziehen oder die Augen zu verschließen. Jesus wählt bewusst die Jünger Petrus, Jakobus und Johannes aus, die ihm nicht nur in Momenten des Triumphes, sondern auch in der tiefsten Verzweiflung zur Seite stehen sollen. Doch die menschliche Natur zeigt sich in ihrer Schwäche; sie sind nicht in der Lage, die emotionale Last, die Jesus trägt, zu teilen.

Das Aushalten großer Gefühle



Die Einladung, die in dieser Fastenzeit ausgesprochen wird, ist, das Aushalten von großen Gefühlen zu trainieren. Es ist eine Herausforderung, wenn Menschen, die uns nahestehen, in schwierigen Momenten verletzlich sind. Wir sind oft überfordert, wenn wir sehen, wie jemand, den wir lieben, leidet. In solchen Augenblicken fühlen wir uns hilflos, und viele von uns neigen dazu, sich zurückzuziehen oder gar zu fliehen.

Es ist wichtig, diese Reaktionen zu erkennen und zu hinterfragen. Warum fällt es uns so schwer, bei anderen zu bleiben, wenn sie sich in einer verletzlichen Lage befinden? Vielleicht ist es die Angst, selbst schwach zu erscheinen, oder das Gefühl, nichts tun zu können, um zu helfen. Doch die Fastenaktion ermutigt uns, diesen Impuls zu überwinden.

Jesus‘ Beispiel zeigt uns, dass es nicht darum geht, die eigenen Gefühle zu verbergen oder zu ignorieren. Er ist in seiner Not ehrlich und offen. Wir sind eingeladen, ebenso authentisch zu sein, sowohl in unseren eigenen Emotionen als auch im Umgang mit denen anderer. Die Aufgabe besteht darin, nicht wegzulaufen, wenn jemand, den wir lieben, sich klein und verletzlich zeigt. Stattdessen können wir versuchen, einen sicheren Raum zu schaffen, in dem diese Person ihren Schmerz und ihre Ängste ausleben kann.

Die Herausforderung liegt also darin, wachsam zu bleiben – sowohl für uns selbst als auch für die Menschen um uns herum. Wenn wir unsere eigenen Ängste und Unsicherheiten konfrontieren, können wir lernen, anderen beizustehen, ohne uns von ihren Emotionen überwältigen zu lassen. Wir müssen nicht die Antworten haben oder Lösungen anbieten. Manchmal ist es genug, einfach da zu sein, zuzuhören und zu warten, bis der andere bereit ist, seine Gedanken und Gefühle zu teilen.

In dieser Woche ermutige ich Sie, sich gezielt mit dieser Aufgabe auseinanderzusetzen. Suchen Sie bewusst nach Situationen, in denen Ihre Zuwendung gefragt ist. Stellen Sie sich der Herausforderung, nicht wegzulaufen, sondern präsent zu sein. Halten Sie Wache, während jemand Zeit für sich braucht, und bieten Sie Ihre Unterstützung an, wenn der Moment es verlangt.

Fazit



Die Fastenzeit ist nicht nur eine Zeit der Entbehrung, sondern auch eine Gelegenheit, über die eigenen emotionalen Ressourcen nachzudenken und zu wachsen. Durch das Aushalten von Verletzlichkeit – sowohl in uns selbst als auch in anderen – können wir tiefere und bedeutungsvollere Beziehungen aufbauen. Lassen Sie uns gemeinsam üben, wachsam zu sein und Mitgefühl zu zeigen, während wir diese Reise durch die Fastenzeit antreten.

Herzliche Grüße, Ihr Frank Muchlinsky.
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