16.09.2025 00:00 | Landkreis

Die Verwaltung aus der Bürgerperspektive organisieren

Landrat Sven Krüger präsentiert seine Vision für eine bürgerfreundliche Verwaltung und innovative Ansätze zur Effizienzsteigerung.

Fakt: Die Einführung von Desk-Sharing in der Verwaltung soll helfen, Platz zu sparen und Ressourcen effizienter zu nutzen.

Auf dem Punkt gebracht ist es ein ausgewogenes Zusammenspiel zwischen einem stabilen Haushalt, einer Erhöhung der Bürgerfreundlichkeit und der effizienten Organisation der Verwaltung, das dabei ganz oben steht. „Alle Punkte greifen ineinander und sind voneinander abhängig. Wichtig ist mir, klare und greifbare Ziele zu benennen. Bei der Umsetzung hoffe ich auf die konstruktive Begleitung und Unterstützung der Gremien und der Verwaltung“, erklärte Sven Krüger eingangs. Es sei wichtig, alle mitzunehmen. Gleichzeitig darf das aktuell sehr große Arbeitsvolumen der Beschäftigten der Landkreisverwaltung in der Abarbeitung nicht außer Acht gelassen werden. „Wir haben engagierte, motivierte und kompetente Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das ist ein großer Schatz, um den Landkreis weiterzuentwickeln.“

Bürgerfreundlichkeit erhöhen



Der Landrat betonte, dass Menschen und Unternehmen im Fokus stehen. „Aber es gibt Potenzial, das gehoben werden kann“, so Sven Krüger. Sein Ziel ist es, Bürgerbüros des Landratsamtes flächendeckend einzurichten. Es soll ein Konzept erarbeitet werden, welche Leistungen angeboten werden können. „Es gibt im sozialen Bereich gute Erfahrungen mit einem eigenständigen Bürgerservice in Mittweida. Manchmal geht es um kleinere Fragen oder Anliegen, die sofort geklärt werden können. Dies entlastet die Sachbearbeiter“, betont Krüger. Das soll auf das gesamte Haus ausgerollt werden, gleichzeitig wird das Landratsamt besser erreichbar.

„Die Verwaltung soll näher an die Bürgerinnen und Bürger“, unterstreicht der Landrat. Daher wird es ab kommenden Jahr wieder die Kommunaltage geben. Mit einer Verwaltungsdelegation wird eine Stadt oder Gemeinde besucht. Nach einem Gespräch mit dem Stadt- oder Gemeinderat wird es ein Einwohnerforum geben. Geplant ist, den Kommunaltag zunächst einmal im Quartal durchzuführen – mit der Option, den zeitlichen Abstand zu verkürzen.

Am 17. November plant der Landrat erstmals eine Bürgersprechstunde zwischen 17:00 und 20:00 Uhr durchzuführen. Interessierte können dann individuell mit ihm sprechen, dafür werden Zeitfenster vergeben. Details werden in Kürze veröffentlicht. Die Sprechstunde soll regelmäßig stattfinden. „Einen klaren Zeitrhythmus werden wir anhand der Erfahrungswerte festlegen“, betont Krüger. Außerdem soll die Internetseite verbessert werden. „Es geht darum, wie komme ich schnell an meine benötigten Informationen“, unterstreicht Sven Krüger. Gerade in einer Zeit, in der immer mehr Anliegen online erledigt werden können, sei dies enorm wichtig. Beispielsweise können bereits jetzt Anträge für Wohngeld oder Elterngeld online gestellt werden; bald kommt noch der Antrag für den Führerscheinumtausch hinzu. Die Aufgabenfülle des Landratsamtes ist sehr komplex, was sich auch auf der Internetseite widerspiegelt. „An der einen oder anderen Stelle hilft schon eine einfachere Bezeichnung eines Anliegens, um es zu finden“, erklärt der Landrat. Weiterhin wird er mit seinen Stellvertretern zahlreiche Termine im ganzen Landkreis wahrnehmen, wie bei Vereinsfesten, bei Unternehmen und besonderen Ereignissen in Mittelsachsen. „Sprechen Sie uns an, wenn Sie uns sehen – ob bei den Kommunaltagen oder zu anderen Anlässen. Wir versuchen, Dinge zu klären und wenn es rechtlich nicht zu ändern geht, dann erklären wir es in Ruhe und verständlich.“

Finanzen und Haushaltssituation



„Auf die Haushaltssituation mit dem großen Defizit haben wir nur bedingt Einfluss durch die Regelungen auf Bundes- und Landesebene. Aber dennoch müssen wir unsere Hausaufgaben machen und optimistisch nach vorn blicken“, betont Krüger. Grundlage wird ein Haushaltskonsolidierungskonzept sein. Bei diesem Prozess wird der Haushalt einmal komplett umgedreht, viele Posten werden hinterfragt und analysiert, und Vorschläge für eine Kostenreduzierung erarbeitet. Hierbei bedarf es externer Unterstützung, weil dies von der Verwaltung selbst nicht zu leisten ist. Das Konzept wird in den Gremien beraten und diskutiert. 2026 soll es stehen. „Dies ist für den nächsten Doppelhaushalt 2027/2028 notwendig, der zu dieser Zeit aufgestellt wird“, erklärt der Landrat.

Schon sicher ist jetzt: „An den Hauptstandorten der Kernverwaltung in Döbeln, Freiberg und Mittweida wird festgehalten. Aber die vielen kleineren Verwaltungsstandorte müssen abgebaut werden“, so Krüger. Außerdem wird das Projekt „neue Arbeitswelten“ vorangetrieben. „Die Stadt Dresden praktiziert dieses Modell erfolgreich. Der Beschäftigte hat nicht mehr seinen eigenen Schreibtisch, sondern wechselt“, erklärt Krüger. Arbeitsplätze werden durch Urlaub, Krankheit oder Homeoffice nicht genutzt. Durch Arbeitsplatzteilung (sogenanntes Desk-Sharing) kann die benötigte Fläche reduziert werden.

Der Fachkräftee Bedarf ist überall spürbar. In der Verwaltung wird es immer schwieriger, Stellen zu besetzen. Dennoch bleibt die Aufgabenlast weiterhin hoch. „Wie das gelingt, muss ausgelotet werden. Ein wichtiger Beitrag ist, Prozesse zu straffen, zu beschleunigen und zu optimieren“, so Krüger. Perspektivisch muss die Verwaltung die Aufgaben mit weniger Personal erledigen können.

Weiterentwicklung des Landkreises



Bei diesen ganzen Vorhaben steht die Weiterentwicklung des Landkreises insgesamt immer als Hauptziel. Mittelsachsen als attraktiver Lebens- und Arbeitsort mit soliden Unternehmen, einem starken Ehrenamt, einem breiten Bildungsspektrum und einer guten Infrastruktur. „Daher gilt es, trotz der Konsolidierung wegweisende Investitionsentscheidungen zu treffen. Denn auch mit Investitionen lässt sich langfristig Geld einsparen, gleichzeitig wird der Kreis modernisiert“, erklärt Sven Krüger. Durch die richtige Prioritätensetzung und die Anwendung von Fördermitteln kann viel bewegt werden. „Hier setzen wir auf die Hilfe des Freistaates und des Bundes, dass der Kreis zum Beispiel die Mittel des sogenannten Sondervermögens mit wenig Vorgaben einsetzen kann.“
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